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17. November 2025

Weihnachtsgruß an alle Seniorinnen und Senioren

Adventsaktion der Bischofswieser Jugend startet in die sechste Runde

Weihnachten 2025

„Im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1)

Liebe Seniorinnen und Senioren!

„Im Anfang war das Wort“ hören wir im Evangelium am Weihnachtstag. Die Worte „im Anfang“ kennen wir auch aus dem Buch Genesis. Die Schriften des Alten Testaments beginnen mit denselben Worten wie das Johannesevangelium im Neuen Testament. Die Menschen des Alten Testaments erklären uns damit ihre Sicht auf die Entstehung und Beschaffenheit der Welt und die Rolle der Menschen darin. Die Welt, die von Gott begleitet entstanden ist, mit Menschen darin, die als Frau und Mann Gottes Abbild sind. Die Geschöpfe vermehren sich, und die Menschen vom Stamm Israel werden zum Volk Gottes, das er aus der Knechtschaft in Ägypten befreit und das er in seiner wechselhaften Geschichte begleitet.

Das zweite „im Anfang“ finden wir zu Beginn einer weiterführenden Geschichte Gottes mit den Menschen. Das Johannesevangelium kennt keine Geburts- oder Kindheitsgeschichte, sondern beginnt mit dem Prolog, den
Vorworten zu seiner Erzählung über Jesus Christus, der im Evangelium als bereits Erwachsener auftritt. Hier lernen wir Gottes Wirken neu kennen. War er vorher der Erschaffende und die Geschichte Begleitende wird Gott jetzt in
Jesus Christus zum Mitmenschen, in dem wir erfahren können, wie Gott an uns handelt und wie auch wir an anderen handeln sollen. Eine neue Sicht auf Gott und die Welt ist da!

Die Heilige Schrift gibt uns durch das Alte und das Neue Testament eine Folie an die Hand, auf der wir die Welt und unser Leben darin deuten und unser Handeln ausrichten können. Die Bibel deutet die Welt und die Menschen darin als von Gott gewollt und begleitet. Wie deuten Sie die Welt? Wie sehen Sie die Welt, wenn Sie sich umschauen? Bei den vielen Krisen und Unsicherheiten können Menschen schon ins Zweifeln kommen, ob die Welt tatsächlich von Gott begleitet wird – oder ob er sich nicht doch von ihr abgewendet hat. In der Zeit des Alten Testaments gab es auch Krisen und Unsicherheiten, doch glaubende Menschen haben an Gott und seinem Mitgehen festgehalten. Diese Menschen von damals können uns in gewisser Weise zum Vorbild werden, wenn wir sagen: „Die Welt und die Menschen lassen uns manchmal zweifeln, aber ich glaube an einen Gott, der da ist und mich auf meinem Weg begleitet.“

Durch das Neue Testament können wir lernen, wie Gott an uns handelt und wie wir unser Handeln ausrichten sollen. Es geht also auch um die Gestaltung unseres Lebens in der Welt. Wir sollen so handeln, wie es uns Jesus gezeigt hat. Wir können uns die Frage stellen: Wie handle ich in dieser Welt? Nehme ich mir darin Jesu Handeln zum Vorbild?

Das „im Anfang“ der Weihnachtserzählung kann uns daran erinnern, sich immer wieder neu auszurichten, immer wieder einen neuen Anfang zu setzen. Die Heilige Schrift möchte uns dazu ermutigen, die Welt und das eigene Leben als von Gott begleitet zu deuten und das eigene Handeln an Jesus Christus auszurichten.

So wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, an dem uns der menschgewordene Gott zum Handeln bewegt!

Ihr
Reinhard Kardinal Marx
Erzbischof von München und Freising

Bild: Steffi Fritz